Baumwolle

IN MITTELAMERIKA WURDE BAUMWOLLE BEREITS VOR ETWA 8.000 JAHREN ANGEBAUT. IN INDIEN UND CHINA IST SIE SEIT 5.000 JAHREN BEKANNT. IM ANTIKEN GRIECHENLAND UND ROM WURDE BAUMWOLLE ALS LUXUSGUT GEHANDELT. AB DER INDUSTRIELLEN REVOLUTION VERDRÄNGTE BAUMWOLLE ANDERE TRADITIONELLE NATURFASERN VOM MARKT. SKLAVENARBEIT AUF DEN BAUMWOLLFELDERN, SOWIE MASCHINELLE VERARBEITUNG SORGTEN FÜR DEN AUFSTIEG DER UMWELT-UNFREUNDLICHEN BAUMWOLLPRODUKTION.

BIS IN DAS 16. JAHRHUNDERT BLIEB BAUMWOLLE EIN LUXUSARTIKEL, DER NUR DEN REICHEN VORBEHALTEN WAR. EIN SCHNELLERER SEEWEG NACH INDIEN WURDE GESUCHT, UM BESSER AN DEN WERTVOLLEN ROHSTOFF ZU KOMMEN.

IM 17. JAHRHUNDERT BRACHTEN ENGLÄNDER BAUMWOLLSAMEN AUS INDIEN NACH NORDAMERIKA. DORT BRACHTE DIE ERFINDUNG DES MECHANISCHEN WEBSTUHLS UND DER ENTKÖRNUNGSMASCHINE DEN BAUMWOLLANBAU NACH VORNE.

DOCH ERST DIE SKLAVENARBEIT IN DEN SÜDSTAATEN DER USA DES 19. JAHRHUNDERTS, BESCHERTE EINEN ENORMEN PREISFALL UND MACHTE BAUMWOLLE ÜBER NACHT ZUM MARKTFÜHRER DER TEXTILINDUSTRIE. AUCH IN DEUTSCHLAND VERDRÄNGTE DAS “WEISSE GOLD”, WIE ES GENANNT WURDE, TRADITIONELLE TEXTILFASERN WIE HANF, LEINEN UND NESSEL.

BIS IN DIE 1960ER JAHRE WAR BAUMWOLLE DIE WICHTIGSTE TEXTILFASER WELTWEIT, BIS SIE VON POLYESTER- UND ANDEREN KUNSTFASERN ÜBERHOLT WURDE.

DER ANBAU VON BAUMWOLLE BENÖTIGT SEHR VIEL WASSER. UM EIN T-SHIRT AUS BAUMWOLLE ZU PRODUZIEREN, WERDEN ETWA 20.000 LITER WASSER GEBRAUCHT. DER ARALSEE IN ZENTRALASIEN IST FAST KOMPLETT AUSGETROCKNET, DA MAN AUS SEINEN SEITENFLÜSSEN WASSER FÜR DIE BEWÄSSERUNG VON BAUMWOLLFELDERN ENTNIMMT.

BAUMWOLLE WÄCHST SEHR LANGSAM UND VERHINDERT SOMIT, DASS ZWISCHEN DER JÄHRLICHEN AUSSAAT ANDERE “ZWISCHENFRÜCHTE” ANGEBAUT WERDEN KÖNNEN, UM DIE BODENQUALITÄT ZU VERBESSERN. DIE JÄHRLICH GLEICHEN WURZELAUSSCHEIDUNGEN KÖNNEN NACH EINER GEWISSEN ZEIT NICHT MEHR VON DEN BODENORGANISMEN VERARBEITET WERDEN. DIE KONSEQUENZ IST DER VERLUST DER BODENFRUCHTBARKEIT. DIESE WIRD BEIM KONVENTIONELLEN BAUMWOLLANBAU SOWIESO ZERSTÖRT, DENN IN DER LANDWIRTSCHAFT IST BAUMWOLLE DAS PRODUKT MIT DEM HÖCHSTEN CHEMIEEINSATZ. DIE UNNATÜRLICHE MONOKULTUR MACHT DIE PFLANZE SCHWACH UND ANFÄLLIG FÜR SCHÄDLINGE, WESHALB CHEMISCHE PFLANZENSCHUTZMITTEL ZUM EINSATZ KOMMEN, DIE DIE BÖDEN DAUERHAFT UNFRUCHTBAR MACHEN UND DIE BODENORGANISMEN ABTÖTEN. SOMIT MÜSSEN NEUE ANBAUGEBIETE HERHALTEN, BIS DIESE AUCH ERMÜDEN. DIE BAUMWOLLINDUSTRIE BEANSPRUCHT 11% DES WELTWEITEN PESTIZIDMARKTES.

DIE PESTIZIDE UND DER HOHE ANTEIL AN MINERALDÜNGER, LÄSST DEN KOHLENDIOXIDAUSTOSS ANSTEIGEN. FÜR EIN T-SHIRT AUS BAUMWOLLE WERDEN 7-10 KILOGRAMM CO2 AUSGESTOSSEN.

DER AGRARRIESE MONSANTO BRACHTE 1996 GENMANIPULIERTES SAATGUT AUF DEN MARKT, WELCHES MITTLERWEILE WELTWEIT AM HÄUFIGSTEN EINGESETZT WIRD. IN EUROPA IST GEN-BAUMWOLLE ZWAR VERBOTEN, DOCH DA DIE GRÖSSTEN BAUMWOLLPRODUKTIONEN IM CHINA, INDIEN, USA UND PAKISTAN STATTFINDEN, FÄLLT ES NICHT INS GEWICHT.

DER ANBAU VON BIO-BAUMWOLLE KOMMT ZWAR OHNE GENMANIPULIERTES SAATGUT, PESTIZIDE UND GIFTE AUS, DENNOCH BLEIBEN DIE ANDEREN ANBAUNACHTEILE UND DER HOHE WASSERVERBRAUCH BESTEHEN. SOMIT IST BIO-BAUMWOLLE KEINE ECHTE NACHHALTIGE ALTERNATIVE.

DER KONVENTIONELLE “VEREDELUNGSPROZESS” VON BEKLEIDUNGSTEXTILIEN BEINHALTET ETWA 10 BIS 20 VERSCHIEDENE SCHRITTE, DIE MIT GIFTIGEN CHEMIKALIEN DURCHGEFÜHRT WERDEN, BEVOR DAS KLEIDUNGSSTÜCK IM LADEN HÄNGT. DAFÜR SETZT DIE TEXTILINDUSTRIE ÜBER 4.000 VERSCHIEDE FARBSTOFFE EIN. DA ES KEINE ETIKETTENPFLICHT FÜR CHEMIKALIEN GIBT, STEHT AUF EINEM “GEWÖHNLICHEN” T-SHIRT “100% BAUMWOLLE”, OBWOHL ZUM BEISPIEL 15% FARBSTOFFE, 10% FORMALDEHYD UND 5% WEICHMACHER ENTHALTEN SIND UND SOMIT DEKLARIERT WERDEN MÜSSTE, UM ALLE VERBRAUCHER ZU SCHÜTZEN. DER BAUMWOLLANTEIL DARF SOGAR NUR BEI 85% LIEGEN, OHNE DIES AUF DEM ETIKETT AUSZUWEISEN.

 

DIE BAUMWOLLFASER

 

Text & Fotos (Fotolia) von Johannes Wachsmuth